Spezialisierung auf Rollendigitaldruck

Case Study: Typographica GmbH

Die Druckbranche befindet sich im ständigen Wandel. Das gilt in besonderem Mass für den Etikettendruck. Da technisch heute viel mehr möglich ist als noch etwa vor zehn Jahren, steigen natürlich auch die Qualitätsansprüche der Verpackungsindustrie. Wer sich hier im Wettbewerb behaupten möchte, muss nicht nur mit der Zeit gehen, sondern neue Ideen entwickeln, sich spezialisieren und Nischen besetzen. Eine Empfehlung gerade für die kleineren Dienstleister, die sonst gegenüber den kapitalkräftigeren Grossanbietern kam Überlebenschancen haben. Wie das funktionieren kann, zeigt das Beispiel des inhabergeführten Familienbetriebs Typographica aus Pulheim bei Köln.

typographica_tensioner

typographica labels

Peter Datum hat sich vor 25 Jahren entschieden, Outsourcing-Anbieter im Druckbereich zu werden und die Typographica GmbH gegründet. 1994 trat mit Sohn Oliver Datum der Junior an seine Seite und krempelte den Betrieb gehörig um. Bis Anfang 2010 hat man sich dann ausschliesslich mit Druckvorlagen beschäftigt. Die Kunden stammten hauptsächlich aus der chemischen Industrie und dem Pharmabereich. Neue Techniken und neue Maschinen führten aber dazu, dass fast kein Kunde mehr Bedarf an den bis dahin üblichen Filmen hatte. „Das war auch der Grund dafür, Überlegungen anzustellen, welchen Bedarf unsere Kunden – darunter neben der Verpackungsindustrie auch Grossdruckereien – haben könnten. Wir kamen dabei schnell auf den Trichter, dass es eine Möglichkeit geben muss, fertige Etiketten abhängig von der Stückzahl schneller, günstiger und in besserer Qualität anzubieten“, veranschaulicht Peter Datum die Veränderungen in seiner Branche. Die Lösung hiess: Digitaler Rollendruck. Die Datums begaben sich auf die Suche nach entsprechender Technik und stiessen bei der Recherche auf den Rollendigitaldrucker CX1200e, den Primera Technology soeben auf dem Markt gebracht hatte.

Das Gerät erfüllte die wesentlichen Anforderungen

Aufträge über mehrere hundert beziehungsweise tausend Label sollten ohne manuellen Zwischenschritt verarbeitet werden können. Gleichzeitig musste die Maschine in der Lage sein, ökonomisch sinnvoll auch kleinere Aufträge zu bedienen. Auch die Druckqualität spielte eine wesentliche Rolle. Der CX1200e druckt vollfarbig und über die hohe Auflösung mit bis zu 2.400 dpi werden feinere Abstufungen sowie schärfere Text- und Graphikeinstellungen erzielt.

Ein Beispiel:
„Die Kosmetikbranche hat sehr hohe Ansprüche an das äussere Erscheinungsbild. Einige der von uns hergestellten Etiketten sind im Rahmen der Produktwerbung im Fernsehen zu sehen. Mit dem neuen Gerät können wir die Anforderungen problemlos erfüllen“, ergänzt Junior-Chef Oliver Datum.

Gestiegene Anforderungen erfüllt

Unter Anwendung des digitalen Laserdruckverfahrens verarbeitet der CX1200e – abhängig von den Qualitätseinstellungen – bis zu fünf Meter Etikettenmaterial in der Minute. Die Tonerpatronen arbeiten sparsam: Sie verfügen über eine Druckkapazität von 4.600 Metern bei 216 Millimetern Webbreite (ermittelt bei zwanzig Prozent Tonerdichte). „Wir haben jetzt die Möglichkeit, längere Etikettenformate zu drucken. Wir sprechen hier über bis zu 1.000 Millimeter – und das auf Rolle! In Deutschland gibt es keine andere Maschine, die das bewerkstelligen kann“, berichtet Oliver Datum. Das ausgeklügelte Aufroll- und Spannsystem bringt automatisch den richtigen Spannungsdruck auf die Rolle mit den bereits fertig bedruckten Etiketten. Das hat zur Folge, dass der nervige Vorgang des Aufwickelns der Rolle schlichtweg entfällt. Vorteilhaft ist ein Softwaretool, das bei Probedrucken die Kosten pro Etikett ermittelt. „Dadurch haben wir eine Kalkulationssicherheit erreicht, die bisher nicht so einfach darstellbar war“, so Peter Datum. Flexibilität beweist der CX1200e beim Material: Der Anwender kann beliebig zwischen Laserdruckpapier, weissem und klaren Polyester und Vinyl wählen – jeweils in den Abstufungen matt, seidenmatt oder glänzend.

typographica fx1200e

Mit „Finisher“ komplett

Mit dem FX1200e präsentierte Primera kurze Zeit nach dem Rollendigitaldrucker auch den so genannten „Finisher“. „Damit hat uns der Hersteller eine komplette Produktionsstrasse zur Verfügung gestellt, die vom Bedrucken über die Veredelung bis hin zu Beschichtung, Ausstanzen, Aufrollen und sogar der automatischen Müllbeseitigung reicht. Und beide Geräte sind perfekt aufeinander abgestimmt“, bemerkt Oliver Datum. Für die saubere Entgitterung der fertigen Etiketten sorgt die so genannte QuadraCut-Technologie, die zum Patent angemeldet ist. Binnen einer Minute sind rund 6,10 m auf der Etikettenrolle ausgestanzt. Bei der Trennung sind vier Wolframkarbidstahlklingen gleichzeitig im Einsatz, was gegenüber Maschinen, die nur mit einer Klinge arbeiten, den Durchsatz signifikant erhöht. Wegen des verwendeten Materials muss Typographica auch keine Stanzköpfe mehr extra anfertigen lassen oder ersetzen. So können Produktionsstopps verhindert werden. Die von den Etiketten getrennten Rahmen rollt der FX1200e gleich auf, so dass die Entsorgung des Abfalls kein Problem darstellt. „Ein besonderer Vorteil des Finisher liegt zudem darin, dass wir jede beliebige Labelform schneiden können, sogar mit Aussparungen“, fährt Oliver Datum fort. Ein grosses Einsatzfeld findet sich hier beispielsweise in der chemischen Industrie, wo Hersteller und Händler von Chemikalien sowie Verpackungsdienstleister die neue GHS-Verordnung beachten müssen und vollkommen neu gestaltete Gefahrenpiktogramme auf die Produkte kleben müssen.

Spezialangebot spricht sich herum

Seit der Inbetriebnahme der CX-FX- Lösung nimmt der Druckbereich schon rund vierzig Prozent aller Arbeitsprozesse im Betrieb ein. Neben Pharma- und Chemieunternehmen sowie Kosmetikherstellern gehören nunmehr auch Produzenten von ahrungsergänzungsmitteln sowie grössere Druckereien zu den Auftraggebern. „Wir haben mit den beiden Primerageräten ein neues Geschäftsfeld definiert, damit unser Portfolio erweitert und sehr erfolgreich eine Nische besetzt“, so der Senior.

Selbstverständlich sind neben qualitativen auch betriebswirtschaftliche Erwägungen zu berücksichtigen. „Klassische Druckmaschinen brauchen beispielsweise eine bestimmte Etikettenmenge, um quasi warmzulaufen, das ist bei der Rollendigitalmaschine nicht der Fall.

Benötigt ein Kunde 100 Etiketten, muss ich im klassischen Verfahren trotzdem 500 produzieren – der CX1200e kann aber sogar ein einziges Label produzieren – ohne Abfall und finanziellen Verlust“, rechnet Peter Datum vor. Massgebliche Faktoren im betriebswirtschaftlichen Sinn sind die Grösse und Gestaltung des jeweiligen Etiketts – und das in Relation zur Menge. Dazu kommt der Zeit- und Personalaufwand. An dieser Stelle zeigen sich sehr deutlich die Vorteile des FX1200e, da die Etiketten automatisch zugeschnitten werden. Bei Auflagen in der Grössenordnung bis 10.000 Stück ist Typographica laut eigenen Angaben auch schneller als andere Betriebe, die auf herkömmliche Druckverfahren setzen. Begeistert war man auch hinsichtlich der relativ niedrigen Anschaffungskosten für beide Geräte. Auch mit dem Support seitens Primera und One Point, Vertriebspartner des Herstellers, sind die Verantwortlichen bei Typographica sehr zufrieden.

Laut eigenen Angaben hat sich Typographica mit der Spezialdienstleistung mittlerweile einen Namen gemacht. Der Umsatz konnte bereits um rund zehn Prozent gesteigert werden. Im laufenden Jahr sollen deshalb noch mehr neue Kunden gewonnen werden. Für diesen Fall denken Vater und Sohn auch schon über die Anschaffung eines zweiten „Finishers“ nach.